{"id":1168,"date":"2018-02-13T10:28:30","date_gmt":"2018-02-13T09:28:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.megamaschine.org\/nl\/?p=1168"},"modified":"2018-04-27T16:12:28","modified_gmt":"2018-04-27T14:12:28","slug":"unser-leben-in-der-matrix-der-digitalisierte-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.megamaschine.org\/nl\/2018\/02\/13\/unser-leben-in-der-matrix-der-digitalisierte-mensch\/","title":{"rendered":"Unser Leben in der Matrix: Der digitalisierte Mensch"},"content":{"rendered":"<p><em>English version: <a href=\"https:\/\/www.degrowth.info\/en\/2018\/04\/breaking-the-chains-of-delusion-technological-progress-mythologies-and-the-pitfalls-of-digitalization\/\" target=\"_blank\">here<\/a>. <\/em><\/p>\n<p>Wenn es um die Zukunft der technischen Entwicklung geht, h\u00f6re ich oft den Satz: Was m\u00f6glich ist, wird irgendwann gemacht. Viele Menschen glauben, dass technische Entwicklung naturgesetzlich verl\u00e4uft, in eine bestimmte Richtung, die immer nur bedeuten kann, mehr Technik anzuwenden, komplexere Technik, m\u00e4chtigere Technik. Wenn der Satz stimmt, dass alles, was technisch m\u00f6glich ist, auch irgendwann geschieht, w\u00e4re das Schicksal von Menschheit und Erde besiegelt. Die Z\u00fcndung von 15.000\u00a0Atomsprengk\u00f6pfen und die Freisetzung synthetisch erzeugter Killerorganismen w\u00e4ren nicht zu verhindern und w\u00fcrden fr\u00fcher oder sp\u00e4ter das Leben auf diesem Planeten weitgehend ausl\u00f6schen.<\/p>\n<p>Doch diese Erz\u00e4hlung von Technik geh\u00f6rt in den Bereich der Mythologie. Welche Technik entwickelt wird und welche nicht, welche eingesetzt wird und welche nicht, beruht auf gesellschaftlichen Entscheidungen, die auch anders aussehen k\u00f6nnten. Es ist zum Beispiel technisch m\u00f6glich, Mobilit\u00e4t in St\u00e4dten weitgehend ohne Autos zu organisieren. Die Techniken daf\u00fcr existieren seit \u00fcber einhundert Jahren, und es w\u00e4re weit billiger als der Autoverkehr. Aber es wird nicht gemacht. Und daf\u00fcr gibt es Gr\u00fcnde. Es ist ebenfalls technisch m\u00f6glich, die gesamte Weltbev\u00f6lkerung durch kleinb\u00e4uerliche \u00f6kologische Landwirtschaft zu ern\u00e4hren, und zwar deutlich besser als heute, auf diese Weise gro\u00dfe Teile der Treibhausgasemissionen einzusparen und den S\u00fc\u00dfwasserverbrauch dramatisch zu senken. Die Techniken daf\u00fcr existieren teilweise seit Jahrtausenden, teilweise seit Jahrzehnten. Aber es wird nicht gemacht. Und auch daf\u00fcr gibt es Gr\u00fcnde. Es ist auch technisch m\u00f6glich, \u00fcber weite Entfernungen miteinander zu kommunizieren, ohne jedes zweite Jahr einen neuen Taschencomputer zu kaufen, der Unmengen von Ressourcen verschluckt. Aber das Gegenteil findet statt. Und die Gr\u00fcnde daf\u00fcr \u00e4hneln denen der beiden ersten Beispiele.<\/p>\n<p>Welche Technik entwickelt wird und sich durchsetzt, h\u00e4ngt nicht von der Technik selbst und einem in ihr wirkenden mysteri\u00f6sen \u201eDrang zur Weiterentwicklung\u201c ab, sondern davon, wie die menschliche Gesellschaft, in der Technik genutzt wird, funktioniert. Das moderne Weltsystem, das vor 500\u00a0Jahren in Europa entstand und seit etwa einhundert Jahren den Globus umspannt, beruht auf zwei zentralen Dynamiken: zum einen dem territorialen Expansions- und Kontrollhunger militarisierter Staaten; zum anderen auf dem Prinzip der endlosen Geldvermehrung. Es ist daher wenig verbl\u00fcffend, wenn man feststellt, dass die technischen Weichenstellungen in den letzten Jahrhunderten von diesen beiden Kr\u00e4ften entscheidend gepr\u00e4gt wurden.<\/p>\n<p><strong>Das automobile System<\/strong><\/p>\n<p>Dass von Mumbai bis Mexiko-Stadt und von Paris bis Kapstadt die urbane Weltbev\u00f6lkerung im Alptraum des automobilen Individualverkehrs versinkt, der St\u00e4dte in l\u00e4rmende, stinkende Moloche verwandelt und Fortbewegung zur Qual macht, ist das Ergebnis sehr konkreter Entscheidungen, die genau diesen Kr\u00e4ften folgen. In den USA etwa zerst\u00f6rten Auto- und \u00d6lkonzerne von den 1930er- bis 1950er-Jahren konsequent \u00f6ffentliche Nahverkehrssysteme. General Motors, Standard Oil und der Reifenhersteller Firestone kauften dazu unter falscher Flagge in 45 US-St\u00e4dten, darunter New York und Los Angeles, \u00f6ffentliche Verkehrsbetriebe auf, um Schritt f\u00fcr Schritt Stra\u00dfenbahnen und Nahverkehrsz\u00fcge stillzulegen.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Auf den brachliegenden Trassen wurden dann Highways gebaut, auf denen GM-Autos mit Firestone-Reifen und Standard-Oil-Sprit fuhren\u00a0\u2013 oder, besser gesagt: bald schon mehr standen, als fuhren. Der Staat hat dieses System massiv unterst\u00fctzt. Der Grund daf\u00fcr ist einfach: Der Bedarf an \u00f6ffentlichen Nahverkehrsg\u00fctern n\u00e4herte sich S\u00e4ttigungsgrenzen, die Geldverwertung drohte ins Stocken zu geraten. Mit der Automobilisierung dagegen konnten allen B\u00fcrgern eigene neue Antriebssysteme verkauft werden. Und dank der Macht der \u00d6lkonzerne wurden die dreckigen Verbrennungsmotoren in Umlauf gebracht anstelle von Elektromotoren, die es schon damals gab.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> Europa, Japan und sp\u00e4ter S\u00fcdamerika, China, Indien und Afrika folgten demselben Muster wie die USA.<\/p>\n<p>Liegt diese Entwicklung in der Natur der Technik selbst? Nein. Liegt sie darin begr\u00fcndet, dass die Menschheit diese Dinge unbedingt will? Keineswegs. Wenn die Menschen, bevor sie vom Propagandatsunami der Autoindustrie getroffen wurden, sagen wir um das Jahr 1900, dar\u00fcber h\u00e4tten abstimmen k\u00f6nnen, ob sie lieber jeden Tag stundenlang im Stau stehen, ihre Kinder nicht mehr auf der Stra\u00dfe spielen lassen d\u00fcrfen, vom Dauerl\u00e4rm einen H\u00f6rsturz bekommen, im Alter an den Folgen von Feinstaub sterben und einen vom Klimawandel verw\u00fcsteten Planeten hinterlassen wollen oder ob sie sich lieber wesentlich schneller mit abgasfreien \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln, die im Ein-Minuten-Takt verkehren, bewegen: Welche Option h\u00e4tten sie wohl gew\u00e4hlt? Die Propaganda, die man verharmlosend \u201eWerbung\u201c nennt, f\u00fchrt dazu, dass wir das, was gut f\u00fcr die Kapitalakkumulation ist, im Nachhinein f\u00fcr unvermeidlich oder gar erstrebenswert halten.<\/p>\n<p><strong>In der Matrix<\/strong><\/p>\n<p>Die Mobilfunk-Technologie ist ein weiteres sehr anschauliches Beispiel daf\u00fcr, wie die Kr\u00e4fte der Kapitalverwertung technische Entscheidungen pr\u00e4gen und wie sie schlie\u00dflich mit der staatlichen Kontrollmacht zusammenwirken. Als ich klein war, hatte man ein Telefon praktisch ein Leben lang. Zumindest gab es keinen besonderen Grund, es auszutauschen. Und so gut wie jeder hatte eins. Das war zwar gut f\u00fcr die B\u00fcrger, aber nat\u00fcrlich ein enormes Problem f\u00fcr Telefonhersteller. Der Markt war praktisch tot, es lie\u00df sich mit Telefonen kein Kapital mehr akkumulieren. Also erfand man irgendwann Tastentelefone. Man konnte nun schneller w\u00e4hlen, das war sicher ein Vorteil. Irgendwann hatten fast alle Tastentelefone. Also kamen die Schnurlosen. Endlich konnte man sich freier in der Wohnung bewegen! (Aber hatte ich vorher eigentlich beim Telefonieren herumlaufen wollen?) Dann folgten die Handys. Doch auch dieser Markt war irgendwann ges\u00e4ttigt. Warum also nicht das Internet aufs Telefon holen? Allerdings lud das bei der ersten Generation Filme qu\u00e4lend langsam. (Aber hatte ich vorher eigentlich je das Bed\u00fcrfnis gehabt, Filme auf einem Telefon zu sehen?) Also brauchte es schnellere Netze, mehr Transponder, schnellere Prozessoren, st\u00e4rkere Akkus und vor allem: immer \u00f6fter ein neues Telefon.<\/p>\n<p>Diese ganze Entwicklung kam nicht dadurch zustande, dass Telefonbesitzer in den 1980er-Jahren \u00fcber die Beschr\u00e4nkungen ihrer analogen Telefone wehklagten und h\u00e4nderingend um potentere Apparate flehten, die sie endlich aus der Steinzeit erl\u00f6sen w\u00fcrden, sondern weil IT-Konzerne Wege finden mussten, um das einmal angeh\u00e4ufte Geld weiter zu vermehren. Ihnen ist es schlie\u00dflich gelungen, aus einem einfachen Bed\u00fcrfnis von Menschen, n\u00e4mlich zu kommunizieren, einen ins Unendliche wachsenden Industriezweig zu schaffen, der Nutzer dazu bringt, in immer k\u00fcrzeren Abst\u00e4nden ihre Ger\u00e4te wegzuwerfen und durch neue zu ersetzen. Der besondere Clou dabei ist, dass die Nutzer am Ende auch noch denken, damit ihren ureigenen Bed\u00fcrfnissen zu folgen, w\u00e4hrend sie letztlich nur dem R\u00e4derwerk der gro\u00dfen Maschine dienen.<\/p>\n<p>Smartphones sind zweifellos bemerkenswerte technische Erfindungen. F\u00fcr manche Menschen sind sie auch mehr als ein Spielzeug und wirklich existenziell hilfreich. Etwa f\u00fcr viele Afrikaner, die nie ein Festnetz hatten und jetzt mit Freunden und Verwandten sprechen k\u00f6nnen, zum Beispiel mit ihren nach Europa gefl\u00fcchteten Kindern. Doch bei allem, was man Positives \u00fcber diese Technik sagen kann, besteht das Problem darin, dass ihre gro\u00dfen Schattenseiten in der \u00f6ffentlichen Diskussion systematisch verdr\u00e4ngt werden. Etwa die enormen Naturzerst\u00f6rungen durch den Bergbau, um die Metalle, darunter seltene Erden, zu gewinnen, die in den Ger\u00e4ten gebraucht werden. Oder die Kriege, die mit dem Kampf um diese Rohstoffe verbunden sind. Oder die M\u00fcllberge am anderen Ende der Nutzungskette. Allein in Deutschland werden jedes Jahr 25 Millionen Smartphones verkauft\u00a0\u2013 und etwa ebenso viele landen auf dem M\u00fcll.<\/p>\n<p>Die immer leistungsf\u00e4higere Technik wird nicht nur von Konsumenten und Unternehmen genutzt, sondern auch von Staaten. Zum Beispiel um uns in einer Weise zu \u00fcberwachen, von der die totalit\u00e4ren Herrscher des 20. Jahrhunderts nicht einmal h\u00e4tten tr\u00e4umen k\u00f6nnen.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> Aufenthaltsort, Kontaktdaten, E-Mail-Verkehr, Telefongespr\u00e4che, Einkaufsgewohnheiten, Medienvorlieben sowie bei Bedarf Mitschnitte \u00fcber das Mikrofon und die HD-Kamera erlauben eine fast l\u00fcckenlose \u00dcberwachung der B\u00fcrger. Und sp\u00e4testens seit den Enth\u00fcllungen von Edward Snowden wissen wir, dass die gigantischen Sp\u00e4horganisationen moderner Staaten weidlich davon Gebrauch machen, praktisch ohne jede \u00f6ffentliche Kontrolle. Dabei helfen ihnen die privaten IT-Konzerne tatkr\u00e4ftig, allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz. Was es noch an minimalen Beschr\u00e4nkungen gibt, wird Schritt f\u00fcr Schritt mit jedem neuen Terroranschlag entsorgt. Das Fabelhafte dabei ist, dass die B\u00fcrger sich die sie \u00fcberwachende Technik selbst anschaffen und bezahlen und dabei noch das Gef\u00fchl haben, Freiheit dazuzugewinnen. Perfekter lassen sich die Interessen der endlosen Geldverwertung und staatlicher Kontrolle nicht verbinden.<\/p>\n<p>Nun sagen viele: Ich habe nichts zu verbergen, warum sollte der Staat nicht wissen, was ich mache? Eine Sichtweise, die viele von uns eines Tages die Freiheit und einige wom\u00f6glich das Leben kosten k\u00f6nnte. Als der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident Erdo\u011fan Anfang 2017 Tausende von Regierungskritikern verhaften lie\u00df, offenbarten ihm Smartphone-Daten ein perfektes Schaubild von Kontakten und Verbindungen; nicht zuletzt dadurch waren die Verhaftungswellen so schnell und so umfassend. In \u00c4gypten konnte das Al-Sisi-Regime nach dem Arabischen Fr\u00fchling dank Facebook und Twitter ebenfalls besonders effektiv zuschlagen und Dissidenten aus dem Verkehr ziehen. Wann wer auf welche Weise in das Mahlwerk des Staates ger\u00e4t, h\u00e4ngt \u00fcberhaupt nicht davon ab, ob B\u00fcrger sich f\u00fcr unbescholten halten oder nicht, sondern wen Machthaber als potenziell st\u00f6rend betrachten. Wie der Wikileaks-Gr\u00fcnder Julian Assange treffend feststellte, haben Telekommunikationskonzerne und Nachrichtendienste l\u00e4ngst ein schl\u00fcsselfertiges System f\u00fcr einen totalit\u00e4ren Staat geschaffen. Und die B\u00fcrger helfen ihnen dabei nach Kr\u00e4ften.<\/p>\n<p>\u00dcberwachung findet \u00fcbrigens nicht nur durch den Staat statt, sondern zunehmend auch durch Arbeitgeber am Arbeitsplatz. Die digitalen Techniken geben ihnen ganz neue Mittel an die Hand, um dar\u00fcber zu wachen, dass jede Sekunde der Arbeitenden maximal ausgenutzt wird.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a> In einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes gab die Mehrheit der Besch\u00e4ftigten an, dass die Arbeitsbelastung und die \u00dcberwachung am Arbeitsplatz durch Digitalisierung erheblich gewachsen sind.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p><strong>Lebendexperimente an einer ganzen Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p>Seit vielen Jahren mehren sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse dar\u00fcber, wie eine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Nutzung digitaler Medien die menschliche Gesundheit massiv sch\u00e4digen kann, und das auf sehr vielf\u00e4ltige Weise. Kinder, die jeden Tag stundenlang Bildschirmen und Smartphones ausgesetzt sind, entwickeln zum Teil erhebliche kognitive und k\u00f6rperliche Defizite, darunter Aufmerksamkeitsst\u00f6rungen.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a> Die Zahl der \u201eInternets\u00fcchtigen\u201c steigt rasant, besonders unter Kindern und Jugendlichen. Auch die zunehmende Belastung durch gepulste Mikrowellenstrahlung von Smartphones, Funkmasten, WLAN-Netzen und schnurlosen Telefonen stellt ein wachsendes Gesundheitsrisiko dar, wie zahlreiche Studien ergeben haben.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a> Nicht nur die IT-Industrie leugnet diese Risiken oder spielt sie herunter, sondern auch viele Nutzer wollen der unangenehmen Wahrheit nicht ins Gesicht sehen, dass ihr liebstes Spielzeug weniger harmlos ist, als sie es gerne h\u00e4tten. Wissenschaftler und \u00c4rzte, die vor den Gefahren einer schrankenlosen Digitaltechnik warnen, werden oft als \u201eKulturpessimisten\u201c, \u201eTechnikfeinde\u201c oder \u201eAnti-Digitalisierungs-Prediger\u201c diffamiert. In diesem Propagandasturm wird das Vorsorgeprinzip, das besagt, dass Techniken nur dann gro\u00dffl\u00e4chig eingef\u00fchrt werden d\u00fcrfen, wenn ihre Harmlosigkeit erwiesen ist, lautlos entsorgt.<\/p>\n<p>Vertreter der Industrie versichern uns immer wieder, dass Digitalisierung und Mobilfunktechnik erst am Anfang stehen. Wer auf den Zug von \u201eIndustrie 4.0\u201c, Smart Cities\u201c und selbstfahrenden Autos nicht aufspringe, verpasse die Zukunft und werde im globalen Wettbewerb abgeh\u00e4ngt. Die 5G-Technologie soll es nach den Pl\u00e4nen der Branche in einigen Jahren m\u00f6glich machen, Datenmengen mobil zu \u00fcbertragen, die dem Zigtausendfachen heutiger Kapazit\u00e4ten entsprechen. Selbstfahrende Autos etwa sollen 50 Gigabyte an Daten <em>pro Stunde<\/em> \u00fcber Funk austauschen\u00a0\u2013 so viel wie ein heutiger DSL-Nutzer im Schnitt in einem ganzen Monat im Netz bewegt.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a> Dazu muss das Land mit einer vollst\u00e4ndig neuen und weitaus energieintensiveren Infrastruktur von Sendemasten und Rechenzentren ausgestattet werden. \u00dcber den enormen zus\u00e4tzlichen Umweltverbrauch und die m\u00f6glichen gesundheitlichen Folgen gibt es keine Debatte. Auch die massiv gesteigerten \u00dcberwachungsm\u00f6glichkeiten und Risiken von Hackerangriffen sind kein Thema. Besonders absurd aber ist es, dass nach dem Sinn dieser ganzen Entwicklung \u00fcberhaupt nicht gefragt wird. Denn die weitaus einfachere, kosteng\u00fcnstigere und umweltschonendere Alternative, n\u00e4mlich anstelle des unzeitgem\u00e4\u00dfen Autoverkehrs den \u00f6ffentlichen Verkehr auszubauen und nutzerfreundlicher zu machen, wird gar nicht erst erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Eine ehrliche Bilanz zeigt, dass wir mit einer schrankenlosen Digitalisierung, wie sie die Industrie anstrebt, einige der h\u00f6chsten Werte menschlichen Lebens, n\u00e4mlich unsere Freiheit, eine intakte Umwelt und unsere Gesundheit, gef\u00e4hrden, w\u00e4hrend wir im Gegenzug daf\u00fcr kaum mehr als ein paar Gimmicks bekommen. Sind 4K-Filme auf einem handtellergro\u00dfen Display und die Aussicht, in Zukunft mit einem selbstfahrenden Auto im Stau zu stehen, es wirklich wert, so viel daf\u00fcr zu riskieren? Um es noch einmal zu sagen: Die Digitaltechnik hat brillante technische Erfindungen hervorgebracht. Aber wenn einem jemand ein paar wundersch\u00f6ne Glasperlen f\u00fcr ein riesiges St\u00fcck Land samt Haus und Hof bietet, geht es nicht darum, ob die Glasperlen sch\u00f6n sind, sondern darum, was man daf\u00fcr hergibt und in welchem Verh\u00e4ltnis beides zueinander steht. Diese G\u00fcterabw\u00e4gung aber findet nicht statt. Wir starren nur entz\u00fcckt und gebannt auf die Glasperlen, w\u00e4hrend Konzerne und Staaten dabei sind, unser Land zu pl\u00fcndern und unser Hab und Gut wegzutragen.<\/p>\n<p><strong>Immersion oder: Die Abschaffung der Wirklichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Technik dient in der Logik der Megamaschine nicht nur dem Antrieb der endlosen Geldvermehrung und der staatlichen Machterweiterung, sondern auch der Ablenkung von der Wirklichkeit. In seinem Roman <em>Der futurologische Kongress<\/em> beschrieb der polnische Science-Fiction-Autor Stanis\u0142aw Lem eine Welt, in der den Menschen durch chemische Drogen in Luft und Nahrung eine perfekte Phantasiewelt vorgegaukelt wird, w\u00e4hrend sie tats\u00e4chlich in einer postapokalyptischen Ruinenlandschaft leben. Als der Protagonist eine Gegendroge nimmt, erkennt er, dass dort, wo eben noch schick gekleidete B\u00fcrger in komfortablen Luxusfahrst\u00fchlen auf und ab zu fahren schienen, sich tats\u00e4chlich menschliche Wracks mit ihren blo\u00dfen H\u00e4nden an Kabeln in Aufzugsch\u00e4chten heraufziehen.<\/p>\n<p>Die digitalen Weltersatzmaschinen \u00fcbernehmen heute \u00e4hnliche Funktionen wie die chemischen Drogen in Lems Vision. Die fl\u00e4chendeckende Best\u00fcckung von Haushalten und \u00f6ffentlichen R\u00e4umen mit Bildschirmen verstellt zunehmend den Blick auf die Realit\u00e4t. Sinnbildlich ist diese Entwicklung bei den Virtual-Reality-Brillen zu beobachten, die die Au\u00dfenwelt komplett ausblenden. Im Fachjargon nennt man das \u201eImmersion\u201c: das vollst\u00e4ndige Eintauchen in die k\u00fcnstlichen Welten und das Vergessen der Wirklichkeit. B\u00fcrger werden zu Konsumenten einer f\u00fcr sie von Konzernen geschaffenen Ersatzwelt, die ihnen erlaubt, aus der von denselben Konzernen verw\u00fcsteten Wirklichkeit zu fliehen. Auch hier haben wir es wieder mit einer Win-Win-Situation f\u00fcr den autorit\u00e4ren Staat und die Maschinerie der endlosen Geldvermehrung zu tun: Die B\u00fcrger kaufen sich freiwillig die Technik, die sie davon abh\u00e4lt, ihre reale Situation zu erkennen und zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>Der Hass auf den K\u00f6rper<\/strong><\/p>\n<p>Einigen federf\u00fchrenden Akteuren des Silicon Valley geht das aber noch lange nicht weit genug. Ray Kurzweil etwa, Leiter der technischen Entwicklung bei Google, tr\u00e4umt seit Jahrzehnten davon, den biologischen Menschen abzuschaffen und sein Bewusstsein in ein Netz von Daten zu \u00fcberf\u00fchren. Dieser \u201eTranshumanismus\u201c ist weit verbreitet unter den Entwicklern K\u00fcnstlicher Intelligenz. Viele von ihnen erwarten sehns\u00fcchtig in den n\u00e4chsten Jahrzehnten die sogenannte \u201eSingularit\u00e4t\u201c: den Moment, wenn die Rechenleistungen von Computern die Denkleistungen von Menschen \u00fcberschreiten sollen und die Automaten den k\u00f6rperlichen Menschen \u00fcberfl\u00fcssig machen. In dieser Vision verbinden sich die Gesch\u00e4ftsinteressen des Silicon Valley mit einer radikalen mechanistischen Ideologie, die zu den Wurzeln der Megamaschine f\u00fchrt: der Vorstellung, dass Menschen, Tiere, Pflanzen\u00a0\u2013 ja sogar der gesamte Kosmos\u00a0\u2013 letztlich nur Maschinen seien. Schon Ren\u00e9 Descartes behauptete im 17.\u00a0Jahrhundert, Tiere lie\u00dfen sich leicht nachbauen, wenn man ihren Aufbau einmal verstanden h\u00e4tte.<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Das Warten auf den Moment, da der Mensch endlich als k\u00f6rperliches und f\u00fchlendes Wesen ausgel\u00f6scht werden kann, ist symptomatisch f\u00fcr eine technokratische M\u00e4nnerwelt, die von ihrer eigenen Innenwelt so weit abgespalten ist, dass sie Denken, F\u00fchlen und Wahrnehmen von <em>Rechnen<\/em>\u00a0\u2013 das Einzige, was Rechner k\u00f6nnen\u00a0\u2013 nicht mehr unterscheiden kann. Es ist der Endpunkt einer Unterwerfung des Menschen unter die Maschinenlogik der blinden endlosen Geldverwertung und der eng damit zusammenh\u00e4ngenden Disziplinarapparate. Der digitalisierte Mensch ist der endg\u00fcltig zu Tode disziplinierte Mensch, der nur noch als Datensatz fortlebt und in dem folglich alles, was Leben ausmacht\u00a0\u2013 Spontaneit\u00e4t, f\u00fchlendes Erleben und Kreativit\u00e4t \u2013, verschwunden sind. Es ist klar, dass diese Vision in letzter Konsequenz nicht ohne den realen physischen Tod der Menschen umgesetzt werden kann, denn der K\u00f6rper ist, im Unterschied zum Rechner, ein unvorhersehbares, ein empfindendes und nicht rechnendes, kurz: ein lebendiges Etwas.<\/p>\n<p>Wollen wir Leuten mit solchen Visionen unsere Zukunft anvertrauen? Wollen wir ihnen weiterhin unsere Daten zur Verf\u00fcgung stellen, durch ihre Google-Brillen die Welt sehen und uns bald in von ihnen gesteuerten Autos herumfahren lassen? Oder werden wir in der Lage sein, uns aus der von ihnen geschaffenen Matrix zu befreien und die Wirklichkeit, unseren K\u00f6rper und unseren Geist zur\u00fcckzugewinnen?<\/p>\n<p><strong>Die Illusionen des linken Technikoptimismus<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts dieser bedenklichen Entwicklungen ist der auch unter vielen Liberalen und Linken noch immer verbreitete Technikoptimismus verbl\u00fcffend. Der US-amerikanische Soziologe Jeremy Rifkin und der britische Journalist Paul Mason etwa glauben, dass sich der Kapitalismus durch die weitere technische Entwicklung langsam aber sicher selbst abschaffen werde.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> Durch freie Software und freie Downloads, 3-D-Drucker, das \u201eInternet der Dinge\u201c und sogenannte Peer-to-Peer-Produktion, in der gleichberechtigte Entwickler zusammenarbeiten, w\u00fcrden die traditionellen Formen von Arbeit und Wertsch\u00f6pfung verschwinden. Indem die \u201eGrenzkosten\u201c in der Produktion\u00a0\u2013 also die Kosten f\u00fcr die Herstellung eines weiteren Exemplars, nachdem die Anfangsinvestitionen schon get\u00e4tigt wurden\u00a0\u2013 gegen Null gehen, w\u00fcrden wir in eine Welt des \u00dcberflusses und der F\u00fclle f\u00fcr alle eintreten. Diese Idee ist im Grunde eine Wiederholung der marxistischen Vorstellung, die technische Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte w\u00fcrde gleichsam automatisch die Grundlagen f\u00fcr ein kommunistisches Paradies schaffen. So verst\u00e4ndlich diese Perspektive vor 150 Jahren war, als man hoffen konnte, durch industrielle Produktion einen gewissen allgemeinen Wohlstand zu schaffen, so weltfremd mutet sie doch heute angesichts einer zunehmend dystopischen Technikentwicklung an. Die enormen Umweltkosten der Digitalisierung werden ebenso ausgeblendet wie die Tatsache, dass 3-D-Drucker exakt dieselben dreckigen Rohstoffe brauchen wie Industrieanlagen und zudem l\u00e4ngst nahtlos in die kapitalistische Verwertung eingegliedert sind. Von Erfindungen wie dem 3-D-Drucker eine quasi vollautomatische Weltrevolution zu erwarten, ist ein Symptom f\u00fcr den Realit\u00e4tsverlust einer technokratisch gepr\u00e4gten Gesellschaft, die sich angesichts des Chaos der stotternden Megamaschine in magisches Denken fl\u00fcchtet.<\/p>\n<p><strong>Wege zu einer menschenfreundlichen Technik<\/strong><\/p>\n<p>Sich aus der Matrix entmenschlichender und entm\u00fcndigender Technik zu befreien, bedeutet nicht, Computer abzuschaffen oder gar in eine romantisierte vorindustrielle Welt zur\u00fcckkehren zu wollen. Diskussionen \u00fcber Technik leiden oft darunter, dass sie entlang einer Linie gef\u00fchrt werden, die zwischen vermeintlichen Technik-Feinden und vermeintlichen Technik-Freunden verl\u00e4uft. Es geht aber nicht darum, ob man f\u00fcr oder gegen Technik ist. Diese Frage ist unsinnig, denn Menschen nutzen Technik, seit die Gattung Homo sapiens vor 200.000 Jahren entstanden ist. Die Frage hei\u00dft daher nicht: pro oder contra Technik, sondern: <em>welche<\/em> Technik, und: <em>wie viel<\/em> davon? Was sind w\u00fcnschenswerte Techniken f\u00fcr eine menschenw\u00fcrdige und zukunftsf\u00e4hige Welt? Wie k\u00f6nnen wir unseren Blick von den gl\u00e4nzenden Glasperlen, die uns vorgehalten werden, auf den gr\u00f6\u00dferen Kontext lenken, in den Technik immer eingebettet ist? Wie k\u00f6nnen wir \u00fcber Technik vernunftgeleitet und realistisch sprechen und entscheiden? Und vor allem: <em>Wer<\/em> entscheidet? Denn der Mythos vom unaufhaltsamen technischen Fortschritt, dessen Richtung vorherbestimmt ist, verdeckt die Tatsache, dass hinter jeder Entwicklung menschliche Entscheidungen stehen, die ver\u00e4nderbar sind, und hinter jeder Entscheidung reale Personen mit Name, Anschrift, bestimmten Motiven und vor allem einem Konto.<\/p>\n<p>Wege zu einer menschenfreundlichen Technik zu beschreiten, bedeutet, Technik aus der Maschinerie der Kapitalverwertung und der militarisierten Staaten herauszul\u00f6sen. W\u00e4hrend heute IT-Konzerne und Autofabrikanten mit massiver staatlicher Unterst\u00fctzung unsere Zukunft designen und uns das, was gut <em>f\u00fcr sie<\/em> ist, als unvermeidlich <em>f\u00fcr uns<\/em> verkaufen wollen, geht es in dieser Perspektive darum, Techniken n\u00fcchtern und differenziert nach ihrem tats\u00e4chlichen Nutzen und den von ihnen verursachten Sch\u00e4den zu beurteilen.<\/p>\n<p>In den 1970er- und 1980er-Jahren gab es angesichts von Risikotechnologien wie der Atomkraft und wachsenden Umweltzerst\u00f6rungen eine intensive und kritische gesellschaftliche Diskussion \u00fcber diese Fragen.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a> Durch das neoliberale Rollback in den folgenden Jahrzehnten wurden diese wichtigen Debatten allerdings wieder in den Hintergrund gedr\u00e4ngt und gro\u00dfenteils vergessen.<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a> Die Kulturanthropologin Andrea Vetter hat in j\u00fcngster Zeit einige dieser Ans\u00e4tze neu belebt und in Anlehnung an den Philosophen Ivan Illich ein sehr hilfreiches Konzept zur Technikbewertung vorgestellt. Ihre \u201eMatrix der konvivialen Technik\u201c fragt danach, was die Herstellung, die Nutzung und die notwendigen Infrastrukturen bestimmter Techniken f\u00fcr gesellschaftliche und \u00f6kologische Folgen haben, und zwar in f\u00fcnf Dimensionen: Verbundenheit, Zugang, Anpassungsf\u00e4higkeit, Bio-Interaktion und Angemessenheit.<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a> Verbundenheit fragt danach, wie bestimmte Techniken menschliche Beziehungen ver\u00e4ndern. Erfordern sie zum Beispiel hierarchische Strukturen, wie es etwa die Atomkraft tut, oder erlauben sie gleichberechtigte Organisationsformen? Zugang beschreibt, wer unter welchen Voraussetzungen Techniken nutzen kann. Wird der Zugang durch Patente blockiert? Ist die Technik aufgrund ihrer Komplexit\u00e4t nur Spezialisten zug\u00e4nglich? Anpassungsf\u00e4higkeit fragt danach, inwieweit Techniken in verschiedenen Kontexten genutzt und an verschiedene Bed\u00fcrfnisse angepasst werden k\u00f6nnen. Sind sie im kleinen Ma\u00dfstab und in dezentraler Organisationsform herstellbar und nutzbar? Sind sie modular aufgebaut und leicht zu reparieren? Bio-Interaktion behandelt den Stoffwechsel einer Technik mit der lebendigen Welt. Welche sch\u00e4dlichen Emissionen produziert sie, und zwar in Bezug auf den gesamten Lebenszyklus von der Ressourcenbeschaffung bis zur Entsorgung? Was bedeutet sie f\u00fcr die menschliche Gesundheit? Angemessenheit schlie\u00dflich thematisiert die Frage, wie viel Input an Zeit und Ressourcen eine Technik im Verh\u00e4ltnis zu ihrem Output erfordert. Mit einem zwei Tonnen schweren Auto Br\u00f6tchen zu holen ist ein Beispiel f\u00fcr groteske Unangemessenheit.<\/p>\n<p>In der \u00fcblichen Sicht auf Technik, die von der Logik der Geldverwertung dominiert wird, ist Effizienz meist das entscheidende Kriterium: Je schneller man immer mehr herstellen kann, desto besser. In einer am Gemeinwohl orientierten Betrachtung, die alle f\u00fcnf Dimensionen ber\u00fccksichtigt, ist Effizienz zwar nicht unwichtig, aber ein Kriterium unter vielen. Erst eine solche mehrdimensionale Betrachtung erm\u00f6glicht qualifizierte gesellschaftliche Entscheidungen \u00fcber Technik. Die Gewichtung der Dimensionen ist dabei niemals ganz objektivierbar, sie ist das Ergebnis von individuellen Vorlieben und kollektiven Abw\u00e4gungen und Aushandlungsprozessen. Aber genau darum geht es: die Technik aus dem Griff der eindimensionalen Fortschrittsmythologie zu befreien und zum Gegenstand gesellschaftlicher Entscheidungsfindungen zu machen. Dazu braucht es einen umfassenden zivilgesellschaftlichen Bewertungsprozess <em>vor<\/em> der Einf\u00fchrung neuer Technologien, ein Moratorium f\u00fcr Risikotechnologien und einen Stopp aller Subventionen f\u00fcr \u00f6kologisch und sozial destruktive Technikentwicklung. Es liegt an uns, ob wir das Feld Transhumanisten, Geldverwertern und dem \u00dcberwachungsstaat \u00fcberlassen oder es wieder selbst in die Hand nehmen.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel entspricht weitgehend dem Kapitel &#8220;Der futurologische Kongress&#8221; aus dem Buch &#8220;<a href=\"https:\/\/www.megamaschine.org\/nl\/revolutionen\/\" target=\"_blank\">Chaos. das neue Zeitalter der Revolutionen<\/a>&#8221; (Wien 2017). Er erschien au\u00dferdem in den <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2017\/dezember\/der-digitalisierte-mensch-unser-leben-in-der-matrix\" target=\"_blank\">Bl\u00e4ttern f\u00fcr deutsche und internationale Politik<\/a>, Ausgabe 12\/2017.<\/em><\/p>\n<p><em>The <strong>English version<\/strong> of this article has been published on the blog degrowth.info: <a href=\"https:\/\/www.degrowth.info\/en\/2018\/04\/breaking-the-chains-of-delusion-technological-progress-mythologies-and-the-pitfalls-of-digitalization\/\" target=\"_blank\">Breaking the chains of delusion -Technological progress mythologies and the pitfalls of digitalization<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Titelfoto: <span class=\"mw-mmv-source-author\"><span class=\"mw-mmv-author\">Maurizio Pesce, CC BY 2.0<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> 1950 wurden einige der beteiligten Unternehmen vor Gericht einer \u201ekriminellen Verschw\u00f6rung\u201c f\u00fcr schuldig befunden, kamen aber mit einer l\u00e4cherlichen Strafe von 5000 Dollar davon. Vgl.: Stephen B. Goddard: <em>Getting There: The Epic Struggle Between Road and Rail in the American Century,<\/em> Chicago 1996<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Vgl. Marcel H\u00e4nggi: <em>Fortschrittsgeschichten. F\u00fcr einen guten Umgang mit Technik<\/em>, Frankfurt\/M. 2015, S. 156 f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Vgl. Yvonne Hofstetter: <em>Sie wissen alles. Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen und warum wir f\u00fcr unsere Freiheit k\u00e4mpfen m\u00fcssen<\/em>, G\u00fctersloh 2014<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Vgl. Werner Seppmann: <em>Kritik des Computers. Der Kapitalismus und die Digitalisierung des Sozialen, <\/em>Kassel 2017; Matthias Martin Becker: <em>Automatisierung und Ausbeutung. Was wird aus der Arbeit im digitalen Kapitalismus?, <\/em>Wien 2017<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> <em>DGB-Index Gute Arbeit. Der Report 2016<\/em>, Berlin 2016, http:\/\/index-gute-arbeit.dgb.de<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Vgl. zum Beispiel die Blikk-Studie 2016 des Berufsverbandes der Kinder- und Jugend\u00e4rzte BVKJ: www.stiftung-kind-und-jugend.de\/projekte\/blikk-studie. Siehe auch: Manfred Spitzer: <em>Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen<\/em>, M\u00fcnchen 2012<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC, ein Tochterinstitut der Weltgesundheitsorganisation, stuft Mobilfunkstrahlung seit 2011 als \u201epotenziell krebserregend\u201c ein. Die bisher umfangreichste Tierstudie \u00fcber die Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung wurde 2016 vom National Toxicology Program des US-Gesundheitsministeriums durchgef\u00fchrt. Ergebnis: Bei m\u00e4nnlichen Ratten stieg die Wahrscheinlichkeit, einen Hirntumor zu bekommen, signifikant an. Nicht bestrahlte Ratten der Vergleichsgruppe entwickelten keine Tumoren. Die Studie findet sich hier: https:\/\/ntp.niehs.nih.gov\/results\/areas\/cellphones\/index.html. Beim Menschen haben einige umfangreiche epidemiologische Studien bei Intensivnutzern von Mobilfunk eine signifikante Erh\u00f6hung des Tumorrisikos festgestellt, so z.B. die gro\u00dfangelegte franz\u00f6sische CERENAT-Studie: Ga\u00eblle Coureau et al.: <em>Mobile phone use and brain tumours in the CERENAT case-control study<\/em>, in: Occupational and Environmental Medicine, Band 71\/2014, S. 514-522<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Interview mit dem Chef von Vodafone Deutschland, Hannes Ametsreiter, in: Berliner Zeitung, 12.6.2017<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Vgl. Fabian Scheidler: <em>Das Ende der Megamaschine. Geschichte einer scheiternden Zivilisation<\/em>, 8. Auflage, Wien 2016, S, 105-114<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Jeremy Rifkin: <em>Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft. Das Internet der Dinge, kollaboratives Gemeingut und der R\u00fcckzug des Kapitalismus<\/em>, Frankfurt\/M. 2014; Paul Mason: <em>Postkapitalismus. Grundrisse einer kommenden \u00d6konomie<\/em>, Berlin 2016<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Vgl. dazu: Ivan Illich: <em>Selbstbegrenzung. Eine politische Kritik der Technik<\/em>, Reinbek bei Hamburg 1975 (englischer Titel: <em>Tools for Conviviality<\/em>); E.F. Schumacher: <em>Die R\u00fcckkehr zum menschlichen Ma\u00df. Alternativen f\u00fcr Wirtschaft und Technik<\/em>, Reinbek bei Hamburg 1977 (englischer Titel: <em>Small is Beautiful<\/em>); Andr\u00e9 Gorz: <em>Kritik der \u00f6konomischen Vernunft. Sinnfragen am Ende der Arbeitsgesellschaft<\/em>, Z\u00fcrich 2009; Rudolf Bahro: <em>Logik der Rettung<\/em>, Stuttgart 1987<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> In den USA etwa wurde dem 1972 gegr\u00fcndeten B\u00fcro f\u00fcr Technikfolgenabsch\u00e4tzung des US-Kongresses (Office of Technology Assessment\/OTA) St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck die Finanzierung entzogen, bis es 1995 schlie\u00dfen musste. Die kritischen Berichte der Institution standen m\u00e4chtigen Finanzinteressen der Industrie im Wege. In Deutschland gibt es zwar noch eine Reihe von Institutionen f\u00fcr Technikfolgenabsch\u00e4tzung, u.a. ein B\u00fcro beim Bundestag, die aber so eng mit der Industrie kooperieren, dass ernsthafte Widerspr\u00fcche ausbleiben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Andrea Vetter: <em>The Matrix of Convivial Technology. Assessing Technologies for Degrowth<\/em>, in: Journal of Cleaner Production, Special Issues \u201eDegrowth &amp; Technology\u201c, Amsterdam 2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>English version: here. Wenn es um die Zukunft der technischen Entwicklung geht, h\u00f6re ich oft den Satz: Was m\u00f6glich ist, wird irgendwann gemacht. Viele Menschen glauben, dass technische Entwicklung naturgesetzlich verl\u00e4uft, in eine bestimmte Richtung, die immer nur bedeuten kann, mehr Technik anzuwenden, komplexere Technik, m\u00e4chtigere Technik. 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