{"id":1303,"date":"2018-07-05T12:45:21","date_gmt":"2018-07-05T10:45:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.megamaschine.org\/nl2\/?p=1303"},"modified":"2018-07-06T10:50:50","modified_gmt":"2018-07-06T08:50:50","slug":"die-weltrevolution-von-1968","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.megamaschine.org\/nl2\/blog\/2018\/07\/05\/die-weltrevolution-von-1968\/","title":{"rendered":"Die Weltrevolution von 1968"},"content":{"rendered":"<p>Ein halbes Jahrhundert nach 1968 sind gro\u00dfe Teile der Welt von einer rechten Welle erfasst, ob in Europa, den USA oder Brasilien. Diese Bewegungen lassen sich\u00a0 auch als ein Versuch deuten, die gro\u00dfen emanzipatorischen Errungenschaften der 1960er und fr\u00fchen 70er Jahre zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Ob es die Trumpisten in den USA sind oder die v\u00f6lkisch-nationalen Kr\u00e4fte in Europa: Stets geht es darum, die Erfolge der Frauen-, B\u00fcrgerrechts-, Friedens-, Umwelt-, Kinderrechts- und Arbeiterbewegungen ungeschehen zu machen. In dieser Hinsicht setzt der neue Faschismus mit anderen Mitteln die Ziele des neoliberalen Rollbacks fort, das selbst bereits in Teilen eine Reaktion auf 1968 war. Ein R\u00fcckblick auf das, was vor 50 Jahren geschah, ist aus diesem Grund hilfreich, um die Gegenwart zu verstehen.<\/p>\n<p><strong>Die Herausforderung der Megamaschine<\/strong><\/p>\n<p>Die globale Megamaschine war nach dem Zweiten Weltkrieg mit zwei gro\u00dfen Herausforderungen konfrontiert: zum einen den Unabh\u00e4ngigkeitsbewegungen im Globalen S\u00fcden, die in Afrika, Indien, China und Indonesien die kolonialen Fesseln absch\u00fcttelten; zum anderen die seit den 1960er-Jahren massiv erstarkenden B\u00fcrgerrechts- und Studentenbewegungen, die keineswegs nur auf die USA und Europa beschr\u00e4nkt waren sondern sich wie ein Lauffeuer rund um die Erde verbreiteten, von Japan bis Mexiko, von Prag bis Rio. Diese \u201eWeltrevolution von 1968\u201c forderte das globale System auf eine viel grunds\u00e4tzlichere Weise heraus als die mittlerweile etablierten \u201ealten Linken\u201c \u2013 also die kommunistischen und sozialdemokratischen Parteien und Gewerkschaften \u2013, die kaum mehr als eine Variante des Systemmanagements zu bieten hatten. Die neuen Bewegungen strebten keine blo\u00dfe Umverteilung von Reichtum an, sondern ein ganz anderes Leben. Sie waren getragen von einer kulturellen Bewegung, einer globalen \u201eGegenkultur\u201c, die Musik, Theater, Literatur und Film erfasste, sie waren auf der Suche nach neuen Formen des Zusammenlebens und der gemeinsamen \u00d6konomie jenseits von Kleinfamilie, Staat und Markt. Anders als die am Staatssozialismus orientierte \u201ealte Linke\u201c forderten die 1968er-Bewegungen alle vier Tyranneien heraus: Die Tyrannei des Marktes, die physische Gewalt des Staates, die ideologische Macht von Medien, Schulen und Universit\u00e4ten und die Tyrannei des linearen Denkens, der Technokratie, der Idee totaler Herrschaft \u00fcber die Natur. <a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Mit dem Vietnam-Krieg wurde erstmals in der Geschichte der USA ein laufender Krieg von gro\u00dfen Teilen der eigenen Bev\u00f6lkerung \u00f6ffentlich infrage gestellt. W\u00e4hrend die ersten Anti-Kriegs-Veranstaltungen Anfang der 1960er-Jahre in winzigen R\u00e4umen mit kaum einem Dutzend Teilnehmern stattfanden, waren schon 1965 Hunderttausende auf den Stra\u00dfen. Zehntausende verweigerten den Wehrdienst und verbrannten \u00f6ffentlich ihre Wehrp\u00e4sse, w\u00e4hrend Musicals wie <em>Hair<\/em> und die St\u00fccke des \u201eLiving Theatre\u201c weltweit zu Symbolen f\u00fcr den Widerstand gegen die Milit\u00e4rapparate wurden.<\/p>\n<p>Nicht nur das Milit\u00e4r sondern auch alle anderen gesellschaftlichen Disziplinarsysteme, die in der Neuzeit entstanden waren und f\u00fcr das Funktionieren des Systems unentbehrlich sind, wurden infragegestellt: Schule, Psychiatrie, Gef\u00e4ngnis und nicht zuletzt die entfremdete Lohnarbeit. Es ging darum, den \u201eeindimensionalen Menschen\u201c (Herbert Marcuse), der zum Zahnrad im globalen Getriebe gemacht worden war, zu befreien, und zwar auf allen Ebenen: \u00f6konomisch, politisch, mental, k\u00f6rperlich und emotional.<\/p>\n<p>Die Bewegungen der 1960er- und fr\u00fchen 1970er-Jahre zerschlugen die Fassaden einer \u201egelenkten Demokratie\u201c: Hinter den Schaufenstern der Sch\u00f6nen Neuen Konsumwelt zeigten sie die Blutb\u00e4der, die im Namen der \u201ewestlichen Werte\u201c rund um den Globus angerichtet wurden \u2013 und Vietnam wurde zum Symbol daf\u00fcr. Der Mythos einer heilsbringenden westlichen Mission wurde \u00f6ffentlich zertr\u00fcmmert; und die Filter der Repr\u00e4sentation, die seit Madisons Zeiten die Stabilit\u00e4t des Systems garantieren sollten, wurden nicht mehr akzeptiert. \u00dcberall schossen basisdemokratische Versammlungen, Teach-ins und Sit-ins aus dem Boden. Universit\u00e4ten wurden von Anstalten, die \u201etechnokratisch orientierte Intellektuelle\u201c (Samuel Huntington) produzieren sollten, zu Orten kollektiver Diskussion \u00fcber gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n<p>Besonders bedrohlich erschien es, dass sich die revoltierenden Studenten mit anderen Bewegungen verbanden, die gro\u00dfe Teile der bis dahin marginalisierten Bev\u00f6lkerung auf die Stra\u00dfe brachten: die schwarze B\u00fcrgerrechtsbewegung, die Bewegungen der Indigenen V\u00f6lker und die Frauenbewegung. 1968 wurde in den USA das \u201eAmerican Indian Movement\u201c gegr\u00fcndet, dem es gelang, die Stimmen der <em>Native Americans<\/em> in eine breite \u00d6ffentlichkeit zu tragen. 1964 hatte es die schwarze B\u00fcrgerrechtsbewegung in den USA geschafft, die gesetzlich verankerte rassistische Segregation abzuschaffen, und ging nun einen Schritt weiter, indem sie sich mit der Bewegung gegen den Vietnamkrieg verband und sich der Suche nach einer postkapitalistischen Gesellschaft anschloss. Eine \u201ezweite Welle\u201c der Frauenbewegung stellte die patriarchalen Fundamente von Familie, Politik und Wirtschaft infrage und verband sich ebenfalls mit der Friedensbewegung und der \u201eGegenkultur\u201c. Praktisch alle Institutionen, auf denen Macht und Herrschaft in den letzten 500, ja 5000 Jahren beruht hatten, wurden massiv herausgefordert.<\/p>\n<p><strong>Die Antwort auf 1968<\/strong><\/p>\n<p>Das politische und \u00f6konomische Establishment war mit Formen des Widerstands konfrontiert, die bisher unbekannt gewesen waren. F\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeitsbewegungen des Globalen S\u00fcdens hatte man Einhegungs-Strategien gefunden, insbesondere durch gewaltsamen Regime Change wie etwa im Iran (1953), in Guatemala (1954), im Kongo (1960) und in Indonesien (1965).<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> Und auch die \u201ealte Linke\u201c in Nordamerika und Europa war Schritt f\u00fcr Schritt gez\u00e4hmt worden, vor allem indem man Arbeitern in der Boom-Zeit der Nachkriegs\u00e4ra einen wachsenden Teil vom wachsenden Kuchen abgegeben hatte. Aber die neuen Bewegungen waren mit diesen Mitteln nicht zu b\u00e4ndigen; sie lie\u00dfen sich weder wegputschen noch kaufen; sie wollten kein gr\u00f6\u00dferes St\u00fcck vom Kuchen, sondern die ganze B\u00e4ckerei. Hinzu kam, dass sich diese Bewegungen zu erheblichen Teilen aus Studenten rekrutierten, die eigentlich dazu ausgebildet werden sollten, die Gro\u00dfe Maschine und ihre unz\u00e4hligen Subsysteme zu steuern \u2013\u00a0und nicht sie zu zerlegen. Es war daher n\u00f6tig, einen neuen Instrumentenkasten zu entwickeln, in dem alte, \u201ebew\u00e4hrte\u201c Mittel mit neuen Strategien kombiniert wurden.<\/p>\n<p>Zu den alten Mitteln geh\u00f6rte auch die physische Gewalt, obwohl sie zumindest in den \u201egelenkten Demokratien\u201c des Westens gewissen Einschr\u00e4nkungen unterlag. Bei den Barrikadenk\u00e4mpfen in Paris im Mai 1968 setzte die Polizei CS-Granaten ein, Tausende wurden krankenhausreif gepr\u00fcgelt und willk\u00fcrlich verhaftet, w\u00e4hrend vor den Toren der Stadt Panzer auf ihren Einsatzbefehl warteten. In Mexiko-Stadt schossen im Oktober 1968 von der Regierung beauftragte Scharfsch\u00fctzen in eine Menge von zehntausend Unbewaffneten, die sich zu einer Protestversammlung versammelt hatten; Hunderte starben oder wurden schwer verletzt. In Berkeley lie\u00df der kalifornische Gouverneur Ronald Reagan mit scharfer Munition in eine friedliche Menge schie\u00dfen, die einen Park besetzt hatte, w\u00e4hrend Hubschrauber Tr\u00e4nengas abwarfen; der verantwortliche Sheriff gab selbst zu, dass seine Leute \u201ewie gegen den Vietcong\u201c gek\u00e4mpft h\u00e4tten.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> In Ohio r\u00fcckte die Nationalgarde gegen unbewaffnete Studenten vor und erschoss vier von ihnen aus einer Entfernung von 100 Metern mit Dum-Dum-Geschossen. In Brasilien verhaftete, folterte und ermordete die von den USA unterst\u00fctzte Milit\u00e4rdiktatur unz\u00e4hlige Regimegegner; und in der Tschechoslowakei marschierten Hunderttausende Soldaten des Warschauer Paktes ein, um dem \u201ePrager Fr\u00fchling\u201c ein gewaltsames Ende zu bereiten. Nicht immer erreichte die Gewalt ihr Ziel der Abschreckung: Nach dem Ohio-Massaker traten acht Millionen Studenten im ganzen Land in den Streik \u2013 die gr\u00f6\u00dfte studentische Mobilisierung aller Zeiten. In Frankreich solidarisierten sich angesichts der Polizeigewalt die Arbeiter mit den Studenten und organisierten den gr\u00f6\u00dften spontanen Streik der franz\u00f6sischen Geschichte.<\/p>\n<p>Da der Einsatz offener physischer Gewalt die \u00f6ffentliche Meinung gegen die Regierung aufbrachte und das System weiter zu destabilisieren drohte, setzten viele Staaten vermehrt auf verdeckte Gewalt. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das geheime \u201eCounterintelligence Program\u201c (Cointelpro) des FBI, das urspr\u00fcnglich gegen mutma\u00dfliche Kommunisten entwickelt worden war und nun gegen die Antikriegsbewegung, Martin Luther King, die \u201eBlack Panthers\u201c, die Frauenbewegung, das \u201eAmerican Indian Movement\u201c, Studentengruppen und gegen kriegskritische Senatoren eingesetzt wurde. Wie FBI-interne Dokumente zeigen, die 1971 an die \u00d6ffentlichkeit kamen, hatte das Programm zum Ziel, kritische Bewegungen, auch vollkommen legale und friedliche, \u201ezu diskreditieren, zu destabilisieren und zu demoralisieren.\u201c Die Methoden reichten von Schmutzkampagnen gegen F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten der Bewegungen \u00fcber den Einsatz von <em>agents provocateurs<\/em> bis zum politischen Mord. Mit anonymen Anrufen und Briefen wurde bei politischen Aktivisten gezielt Paranoia gesch\u00fcrt, Martin Luther King etwa wurde zum Selbstmord aufgefordert. FBI-Angeh\u00f6rige lancierten erlogene Berichte in den Medien, druckten gef\u00e4lschte Flugbl\u00e4tter und er\u00f6ffneten politische Fake-Gruppen, um verschiedene Teile der Bewegung gegeneinander aufzuhetzen. Polizei und FBI brachen unter an den Haaren herbeigezogenen Vorw\u00e4nden in die Wohnungen von B\u00fcrgerrechtlern ein und verw\u00fcsteten die Einrichtungen; mehrere Mitglieder der Black Panthers wurden in ihren Wohnungen erschossen.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel ist das 1986 von dem italienischen Untersuchungsrichter Felice Casson aufgedeckte Netzwerk \u201eGladio\u201c, das von Neofaschisten und Mitgliedern des italienischen Milit\u00e4rgeheimdienstes SISMI, der NATO und der CIA betrieben wurde. Dieses Netzwerk hatte in den 1960er- und 1970er-Jahren zahlreiche Terroranschl\u00e4ge in Italien ver\u00fcbt, mit dem ausdr\u00fccklichen Ziel, diese Anschl\u00e4ge linken Organisationen in die Schuhe zu schieben.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> Der ehemalige italienische Ministerpr\u00e4sident Andreotti best\u00e4tigte auf eine Parlamentsanfrage die Existenz von Gladio und f\u00fcgte hinzu, dass \u00e4hnliche Organisationen in vielen westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern existieren.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a> Das Europ\u00e4ische Parlament forderte als Konsequenz dieser Enth\u00fcllungen 1990, dass in allen EU-Staaten die Existenz solcher paramilit\u00e4rischer Geheimorganisationen aufgekl\u00e4rt wird, um sie schlie\u00dflich abzuschaffen \u2013\u00a0jedoch ohne nennenswerten Erfolg.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a> Die von Gladio und anderen Organisationen betriebene Form des Staatsterrorismus, die darauf zielt, einen gesellschaftlichen Ausnamezustand herbeizuf\u00fchren, um repressive Politik durchzusetzen, ist inzwischen als \u201eStrategie der Spannung\u201c zu einem festen Begriff geworden.<\/p>\n<p><strong>Das ideologische System ist ersch\u00fcttert<\/strong><\/p>\n<p>Anfang der 1970er-Jahre kippte \u2013\u00a0nicht zuletzt unter dem Eindruck der Gewalt \u2013\u00a0in vielen L\u00e4ndern die Stimmung. Das Klima des Aufbruchs und der k\u00fchnen Hoffnungen wich zum Teil einer Atmosph\u00e4re der Angst. Viele politische Gruppen spalteten sich in einander befehdende Splitterfraktionen, w\u00e4hrend sich andere aus der politischen Arena zur\u00fcckzogen, um sich dem Projekt der spirituellen Befreiung zu widmen; wiederum andere suchten den \u201eWeg durch die Institutionen\u201c oder fl\u00fcchteten in den Konsumismus.<\/p>\n<p>Obwohl die staatliche Gewalt zu dieser Zersplitterung und Einsch\u00fcchterung beigetragen hatte, war sie doch nur bedingt erfolgreich. Die ideologischen Fundamente des Systems waren auf Dauer ersch\u00fcttert. Mit der Aufdeckung der amerikanischen Kriegsverbrechen im vietnamesischen My Lai (1969) und der Enth\u00fcllung der \u201ePentagon papers\u201c (1971) war gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung klar geworden, dass in ihrem Namen, unter den Masken von Freiheit und Demokratie, ein brutaler Vernichtungskrieg gef\u00fchrt wurde und sie systematisch \u2013 von vier aufeinanderfolgenden US-Regierungen \u2013 \u00fcber die Ziele des Krieges und das Ausma\u00df des T\u00f6tens belogen worden waren. Die Aufdeckungen \u00fcber Cointelpro (1971) und geheime CIA-Programme (1974) zeigten, dass die Regierung auch nicht vor massiver Gewalt gegen die eigene Bev\u00f6lkerung zur\u00fcckschreckte. Gegen all dies war Watergate (1972) im Grunde nur eine Fu\u00dfnote der Geschichte.<\/p>\n<p>Diese Enth\u00fcllungen ersch\u00fctterten nicht nur das politische Establishment sondern auch die Weltsicht ganzer Bev\u00f6lkerungen in der westlichen Hemisph\u00e4re: Hier ging es nicht mehr allein um Verfehlungen dieser oder jener Regierung; das gesamte politische und ideologische System, dessen Epizentrum die USA waren, geriet ins Wanken. Das Vertrauen in staatliche Institutionen und insbesondere in das Milit\u00e4r war nachhaltig ersch\u00fcttert.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a> Dadurch konnte die Friedensbewegung in den 1970er-Jahren zu einer starken antisystemischen Kraft werden, die das F\u00fchren von Kriegen schwieriger als je zuvor in der Geschichte moderner Staaten machte; der milit\u00e4risch-industrielle Komplex stand dauerhaft im Zentrum von \u00f6ffentlicher Kritik und Protestaktionen.<\/p>\n<p>Hinzu kam, dass nun auch noch eine neue Bewegung entstand, die eng mit dem Widerstand gegen das Milit\u00e4r verbunden war: die moderne \u00d6kologiebewegung. 1970 wurde Greenpeace als Widerstandsorganisation gegen Atombombentests in Alaska gegr\u00fcndet, auch Friends of the Earth formierte sich zu dieser Zeit als Anti-Atom-Organisation. Der \u201eEarth Day\u201c brachte 1970 zwanzig Millionen Amerikaner auf die Stra\u00dfen, die f\u00fcr den Umweltschutz demonstrierten.<\/p>\n<p>Die \u00d6kologiebewegung kn\u00fcpfte wiederum an einen tiefgreifenden Umbruch in den Wissenschaften an. 1972 erschien der Bericht an den Club of Rome <em>Die Grenzen des Wachstums<\/em>. Wissenschaftler des renommierten Massachusetts Institute of Technology zeigten mithilfe von Computermodellen, dass fortgesetztes industrielles Wachstum bis zum Jahr 2100 zu einem globalen Systemzusammenbruch f\u00fchren muss \u2013 eine Prognose, die sich in vielen \u00dcberpr\u00fcfungen und Aktualisierungen ihres Berichtes seither immer wieder best\u00e4tigt hat.<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a> In der etablierten Physik, Chemie und Biologie ersch\u00fctterten Ilya Prigogines Arbeiten \u00fcber nicht-lineare Systeme die mechanistischen Vorstellungen von der Natur.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> In der \u00d6konomie entwickelte E. F. Schumacher, urspr\u00fcnglich ein Mitarbeiter von John Maynard Keynes, das Konzept einer dezentralen, \u00f6kologischen \u201ePeople\u2019s Economy\u201c, das stark von Gandhi beeinflusst war; Schumachers Buch \u201eSmall is Beautiful\u201c wurde zu einem internationalen Bestseller. Etwa zur gleichen Zeit stellten der NASA-Wissenschaftler James Lovelock und die Biologin Lynn Margulis die \u201eGaia-Hypothese\u201c vor: den ersten naturwissenschaftlichen Versuch, die Erde als ein lebendes, selbstregulierendes System zu verstehen.<\/p>\n<p>Das neue Denken spiegelte sich wiederum in der Praxis unz\u00e4hliger Gemeinschaften der \u201eGegenkultur\u201c, die versuchten, ein Leben jenseits von Naturzerst\u00f6rung, Konsumismus und Konkurrenz aufzubauen (und dabei teilweise an \u00e4ltere Traditionen der Romantik und Lebensreformbewegungen anschlossen). Dabei zeichnete sich noch ein weiterer Umbruch ab, dessen Bedeutung man nicht hoch genug einsch\u00e4tzen kann: die p\u00e4dagogische Revolution. Seit der Fr\u00fchen Neuzeit hatten sich in Schule und Elternhaus Erziehungsmethoden durchgesetzt, deren ausdr\u00fcckliches Ziel es war, den Willen des Kindes zu brechen, um es zu einem st\u00f6rungsfrei funktionierenden Teil im Getriebe von Familie, Armee und Wirtschaft zu machen.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a> Reformp\u00e4dagogische Ans\u00e4tze, die auf Respekt gegen\u00fcber dem Kind beruhten, gab es schon lange, aber erst in den Elternh\u00e4usern, Kinderl\u00e4den und freien Schulen der Post-1968er-Epoche wurden sie zu einer mehrheitsf\u00e4higen Bewegung \u2013\u00a0und stellten damit ein entscheidendes Fundament der Disziplinargesellschaft infrage.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe politische Umsturz war 1968 zwar ausgeblieben, aber die gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen waren tiefgreifend. Eine Kritik des gesamten Herrschaftsgeb\u00e4udes der Moderne und der westlichen Konzeption von \u201eZivilisation\u201c stand nun auf der Tagesordnung einer globalen \u201eGegenkultur\u201c, die immer tiefer in den Mainstream eindrang.<\/p>\n<p><strong>Die &#8222;M\u00e4\u00dfigung der Demokratie&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>1973 wurde auf Betreiben von David Rockefeller die Trilaterale Kommission ins Leben gerufen, die einer Koordination der globalen Systemsteuerung zwischen den USA, Westeuropa und Japan dienen sollte. Zu den Mitgliedern z\u00e4hlten Spitzenpolitiker aller drei Kontinente, CEOs von Konzernen wie Exxon, Toyota, Fiat, Lehman Brothers oder Coca Cola, aber auch Gewerkschaftschefs (etwa der damalige DGB-Vorsitzende Heinz-Oskar Vetter) sowie f\u00fchrende Journalisten, darunter die Herausgeber des <em>Time Magazine<\/em>, der <em>Financial Times<\/em> und der <em>Zeit<\/em>.<\/p>\n<p>Einer der ersten Berichte, die die Kommission in Auftrag gab, trug den Titel <em>Die Krise der Demokratie<\/em>. Samuel Huntington und seine Mitautoren aus Frankreich und Japan diagnostizieren in dem Bericht einen \u201eExzess von Demokratie\u201c, der die Systemstabilit\u00e4t gef\u00e4hrde. Huntington blickt wehm\u00fctig auf die 1950er-Jahre zur\u00fcck, als \u201ePr\u00e4sident Truman noch in der Lage war, das Land mithilfe einer relativ kleinen Anzahl von Wall-Street-Bankern und Anw\u00e4lten zu regieren\u201c.<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a> Mit bemerkenswerter Offenheit stellen die Autoren fest, dass \u201eeurop\u00e4ische Demokratien nur teilweise und auf theoretischer Ebene offene Systeme sind. Ihre Steuerung beruht auf einem subtilen Filterprozess von Teilnehmenden und Forderungen.\u201c<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a> Huntington f\u00e4hrt fort:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8222;Eine effektive Steuerung des demokratischen politischen Systems erfordert einen gewissen Grad von Apathie und Nicht-Einbeziehung bestimmter Individuen und Gruppen. (\u2026) Jetzt aber beginnen solche randst\u00e4ndigen Gruppen, wie im Fall der Schwarzen, voll am politischen System teilzunehmen; dabei besteht die Gefahr, das System mit politischen Forderungen, die seine Funktionen und seine Autorit\u00e4t untergraben, zu \u00fcberladen.&#8220;<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>Huntington beklagt dar\u00fcber hinaus, dass die fortgeschrittenen Industriegesellschaften eine Schicht von \u201ewertorientierten Intellektuellen\u201c hervorgebracht h\u00e4tten, die \u201eder F\u00fchrerschaft schaden, Autorit\u00e4ten infrage stellen und etablierte Institutionen demaskieren und delegitimieren\u201c.<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a> Eine weitere Gefahr drohe von Journalisten, die \u201eimmer mehr Einfluss gegen\u00fcber den Eigent\u00fcmern und Herausgebern geltend machen und die traditionelle Normen von \u201aObjektivit\u00e4t\u2019 und \u201aNeutralit\u00e4t\u2019 im Namen von politisch engagierter Berichterstattung beiseite fegen\u201c.<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a> Die neuen Werte, die sich \u00fcberall in der Gesellschaft verbreiteten, w\u00fcrden es Regierungen immer schwerer machen \u201eden B\u00fcrgern Disziplin und Opfer aufzuerlegen\u201c.<\/p>\n<p>Die Analysen dieses Berichtes sind eines der genauesten und eindringlichsten Zeugnisse \u00fcber die \u00c4ngste \u201eliberaler\u201c politischer Eliten vor echter Demokratie.<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a> Die Empfehlungen, die der Bericht am Ende gibt, bleiben dagegen vergleichsweise vage. So ist etwa davon die Rede, \u201eeine Balance zwischen Regierung, Presse und anderen gesellschaftlichen Institutionen herzustellen\u201c oder \u201edie Bildung wesentlich st\u00e4rker mit wirtschaftlichen und politischen Zielen in Einklang zu bringen\u201c. Aus der Vagheit dieser Empfehlungen spricht noch die ganze Ratlosigkeit, die das Establishment Mitte der 1970er-Jahre befallen hatte. Die Strategien des Gro\u00dfen Rollbacks waren noch nicht erfunden.<\/p>\n<p><strong>Das Gro\u00dfe Rollback<\/strong><\/p>\n<p>Die politischen und wirtschaftlichen Eliten, die sich zur Steuerung der Gro\u00dfen Maschine berufen f\u00fchlten, hatten in den 1970er-Jahren an mindestens zwei Fronten zu k\u00e4mpfen. Auf der einen Seite gab es die Herausforderung durch die Gegenkultur und die antisystemischen Bewegungen, auf der anderen Seite zeichnete sich eine globale \u00f6konomische Krise ab. Nach drei Jahrzehnten des Booms und der Expansion begann um das Jahr 1973 eine Phase der Stagnation und Kontraktion, die von einem sprunghaften Anstieg der \u00d6lpreise, einer schweren Rezession und dem Zusammenbruch des Weltw\u00e4hrungssystems (\u201eBretton-Woods-System\u201c) einschlie\u00dflich der Goldparit\u00e4t des US-Dollars eingel\u00e4utet wurde.<\/p>\n<p>Die Antwort auf diese Konstellation war das, was man sp\u00e4ter die \u201eneoliberale Revolution\u201c genannt hat, obwohl es eigentlich eher so etwas wie eine konservative Reaktion war. Ihr Ziel bestand darin, die stotternde Geldvermehrungsmaschine wieder in Gang zu bringen, die Gegenkultur zur\u00fcckzudr\u00e4ngen und die Macht der dominierenden \u00f6konomischen Klassen, die in den 1960ern deutlich geschw\u00e4cht worden war, wiederherzustellen.<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a> Diese \u201eRevolution\u201c hatte mehrere S\u00e4ulen: eine wirtschaftspolitische, eine ideologisch-propagandistische und \u2013 was oft \u00fcbersehen wird \u2013 eine milit\u00e4rische.<\/p>\n<p>Der Erfolg des neoliberalen Programms hat seither eine Verw\u00fcstungsspur auf dem Planeten hinterlassen und sozial, \u00f6konomisch und \u00f6kologisch in Chaos gef\u00fchrt. Wie bereits im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert und in der Weimarer Zeit nutzen rechte Bewegungen dieses Chaos, um von den tats\u00e4chlichen Ursachen abzulenken und die Schuld auf S\u00fcndenb\u00f6cke zu projizieren. Zum Beispiel auf die Menschen, die vor den Folgen unserer \u201ekannibalischen Weltordnung\u201c (Jean Ziegler) fl\u00fcchten. Einmal mehr bietet sich der Faschismus an, um die kapitalistischen Eliten vor dem Zorn der Bev\u00f6lkerungen zu retten, indem er soziale und \u00f6kologische Konflikte in einen Kampf von V\u00f6lkern und Kulturen umdeutet.. Ob diese Strategie aufgeht, ist allerdings offen. In der systemischen Krise, in der wir uns befinden, steuern wir auf tiefe historische Br\u00fcche zu, die auch emanzipatorische Bewegungen nutzen k\u00f6nnen, um das Schiff in eine andere Richtung zu steuern. Die Epoche von 1968 ist voll von Inspirationen und historischen Lehren daf\u00fcr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel basiert auf dem 10. Kapitel des Buches <a href=\"https:\/\/www.megamaschine.org\/nl2\" target=\"_blank\">Das Ende der Megamaschine. Geschichte einer scheiternden Zivilisation<\/a> (10. Auflage, Wien 2018).<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Zu den vier Tyranneien vgl.: Fabian Scheidler: <em>Das Ende der Megamaschine. Geschichte einer scheiternden Zivlisation<\/em>, 8. Auflage, Wien 2017, S. 19-31<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> ebd., S. 181-183<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Time Magazine, 16.2.1970<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Brian Glick: <em>War at Home: Covert Action Against U.S. Activists and What We Can Do About It<\/em>, New York 1989<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Vgl.: Dario Azzellini: <em>Bomben f\u00fcr das System \u2013 Die\u00a0\u201eStrategie der Spannung<\/em>, in: <em>Italien. Genua. Geschichte, Perspektiven<\/em>, Berlin 2002, sowie den ZDF-Dokumentarfilm <em>Stay behind: Die Schattenkrieger der NATO<\/em> von Ulrich Stoll (Deutschland 2014)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Gunther Latsch: <em>Die dunkle Seite des Westens<\/em>, in: Der Spiegel 11.4.2005<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> <em>Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften Nr. C 324<\/em> vom 24. Dezember 1990, S. 202<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Sprachen laut Umfragen 1966 noch 41 Prozent der US-Bev\u00f6lkerung ihrer Regierung \u201egro\u00dfes Vertrauen\u201c aus, waren es 1973 nur noch 19 Prozent. Das Vertrauen in Gro\u00dfunternehmen fiel im selben Zeitraum von 55 auf 29 Prozent, das Vertrauen in die Armee von 62 auf zwischenzeitlich 27 Prozent. Dagegen stieg das Vertrauen in die Medien von 25 auf 41 Prozent. Fast zwei Drittel der Jugendlichen waren der Meinung, dass Parteien grundlegend reformiert oder gar abgeschafft werden m\u00fcssen. Michel J. Crozier, Samuel Huntington, Joji Watanuki: <em>The Crisis of Democracy. Report on the Governability of Democracies to the Trilateral Commission<\/em>, New York 1975, S. 83<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Donella Meadows, Dennis Meadows, J\u00f8rgen Randers: <em>Grenzen des Wachstums: Das 30-Jahre-Update<\/em>, Stuttgart 2006; Ugo Bardi: <em>The Limits to Growth Revisited<\/em>, New York 2011<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Die deterministischen und mechanistischen Vorstellungen von der Natur waren bereits seit den 1920er-Jahren durch die Quantenphysik ins Wanken geraten; erst in den 1970er-Jahren aber fanden solche Ideen auch in weiteren Kreisen Interesse.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Zur \u201eSchwarzen P\u00e4dagogik\u201c vgl. Katharina Rutschky: <em>Schwarze P\u00e4dagogik. Quellen zur Naturgeschichte der b\u00fcrgerlichen Erziehung<\/em>, Berlin 1977, sowie Alice Miller: <em>Am Anfang war Erziehung<\/em>, Frankfurt\/M. 1983<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> Michel J. Crozier, Samuel Huntington, Joji Watanuki: <em>The Crisis of Democracy. Report on the Governability of Democracies to the Trilateral Commission<\/em>, New York 1975, S. 98 (\u00dcbersetzung vom Autor)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> ebd., S. 12<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> ebd., S. 114<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> ebd., S. 7<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> ebd., S. 181<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> Huntington stand der Demokratischen Partei nahe und war in der Regierung von Jimmy Carter (1977\u201381) Sicherheitsberater. Ein erheblicher Teil der Carter-Administration rekrutierte sich aus Mitgliedern der Trilateralen Kommission. Die Arbeit der Kommission reflektiert also keineswegs rechte Extrempositionen sondern den \u201eliberalen\u201c Mainstream.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a> In den 1920er-Jahren vereinnahmten die reichsten 0,1 Prozent der Bev\u00f6lkerung in den USA und Europa etwa acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts, Mitte der 1970er-Jahre waren es nur noch zwei Prozent. Auch der Anteil am Volksverm\u00f6gen war bei den Superreichen von 50 auf fast 20 Prozent gefallen. Der neoliberalen Reaktion gelang es, bis Ende der 1980er-Jahre die Vorkriegsverh\u00e4ltnisse wiederherzustellen. David Harvey: <em>A Brief History of Neoliberalism<\/em>, Oxford 2005, S. 15 ff.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein halbes Jahrhundert nach 1968 sind gro\u00dfe Teile der Welt von einer rechten Welle erfasst, ob in Europa, den USA oder Brasilien. 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